Thomas Berger

Ein Herr M. Lukas befragte mich zu meiner Arbeit – woraus sich ein Gespräch entwickelte, was vielleicht auch für Dritte von Interesse ist.

Lukas: Warum heißt das „inner-golf“, was Sie im Golf machen?

Pyko: Ich habe den Namen gewählt, weil es mir darum geht, den Teilnehmern zu helfen, den Golfschwung von innen aufzubauen. Das heißt, es ist mir wichtig, dass der Golfer mehr für sich selbst erkennt, was er wie und warum genau macht.

Lukas: Aber ich finde es doch gut, wenn mir zum Beispiel ein Pro genau sagt, was ich falsch mache und ändern muss. Anstatt ich da selbst lange suche und nachdenke. Also, warum soll ich mich, der weniger Ahnung von dem Sport hat, da bemühen?

Pyko: Kann ich so nachvollziehen und auf diese Weise sind wir es auch gewöhnt zu lernen: Ich habe ein Problem, gehe zum Experten und lasse mir sagen, was ich besser machen muss. Der sagt dann, was zu ändern ist. Das heißt, ich hole mir die Informationen von außen.

Lukas: Und was soll daran nicht gut sein?

Pyko: Vorweg noch – ich will nicht in den Kategorien „gut“ und „schlecht“ denken. Ich will vielmehr herauszufinden, was dem Golfer wirklich hilft. Und dazu muss anerkannt werden, dass Golf nun mal ein Bewegungssport ist. Und wenn einem der Pro etwas sagt oder auf dem Video zeigt, dann habe ich mir mehr Wissen angeeignet, aber nicht die Fähigkeit, das Neue auch umzusetzen. Ich habe es noch nicht gelernt!

Lukas: Gut, da bin ich bei Ihnen. Denn nach so mancher Prostunde habe ich erlebt, dass ich die neue Technik zwar verstanden habe, aber nicht wirklich verinnerlichen konnte. Und ich kenne auch genügend Leute, die keine Golfstunde nehmen, aus Angst, dass sie mit ihrem Schwung durcheinander kommen. Aber wie kann ich mir das bei Ihnen konkret vorstellen?

Pyko: Gut, dazu ein Beispiel aus der Praxis. Ein Golfer mit Handicap um die 3 kam zu einem Einzelcoaching. Er hatte Probleme mit seinem Eisen 4. Nachdem er einige Bälle geschlagen hatte, war von außen besehen die technische Problemstellung klar. Sein Rückschwung war verkürzt, die Rotation im Oberkörper und die Schwungebene nicht wie bei seinen anderen Eisen, wo er sich sicherer fühlte. Würde ich ihm die technischen Korrekturen geben, würde er sich anstrengen, diese möglichst genau umzusetzen und somit seine Aufmerksamkeit stark auf die Fehlerbehebung fokussieren. Nach meiner Erfahrung führt das in vielen Fällen dazu, dass er den Rhythmus noch mehr verliert – mit den entsprechenden Folgen.

Lukas: O.k., bis dahin kann ich folgen. Wenn ich mich zu sehr auf ein Problem meines Schlages fixiere, umso mehr verliere ich schon mal den Schlagrhythmus insgesamt und produziere andere Fehler. Aber wie geht es weiter?

Pyko: Ich ließ den Spieler mit seinem Lieblingseisen, es war die 6, einige Schläge machen. Dabei sollte er einfach nur seine Aufmerksamkeit auf die Schwungbewegung insgesamt richten und was sich dabei gut anfühlt. Dann sollte er 5 Bälle mit dem Eisen 4 spielen. Auch hier ging es nur darum, die Bewegung im Ganzen zu begleiten, um zu erkennen, was ist bei dem Eisen 4 anders im Vergleich zum Eisen 6. Den Wechsel zwischen den beiden Schlägern machten wir noch einige Male. Immer genauer konnte der Spieler für sich im Körper wahrnehmen, wo der Unterschied lag und was er bei seinen Eisen 4-Schlägen zu machen hat.
Ich verkürze die Beschreibung des Golfcoachings jetzt. Denn den ganzen Lernprozess mit seinen vielen aufeinander aufbauenden Auswertungsschritten und Einzelübungen darzustellen, würde hier zu weit führen.

Lukas: Und was hat er für sich herausgefunden?

Pyko: Seine Problemkette war: Etwas blockierte Schultern – Betonung auf „etwas“, denn der Mann kann ja Golfen - führen zu einer unzureichenden Rotation. Das hat einen verkürzten Rückschwung zur Folge. Den fehlenden Spannungsaufbau kompensierte er vor allem durch einen höheren Krafteinsatz mit den Händen, die viel fester am Griff waren, als sonst.
Seine selbst entdeckte und verinnerlichte Lösung war einfach und sofort umsetzbar: 1. Beim Einnehmen der Ansprechposition mit dem Eisen 4 viel mehr Sorgfalt verwenden und dabei insbesondere auf einen gut aufgerichteten und entspannten Oberkörper achten.
2. Beim Schlag mit der Aufmerksamkeit „den Händen folgen“.
Ich bin mir bewusst, dass „den Händen folgen“ für Dritte nicht zwingend plausibel sein muss, doch für ihn war es genau das, was ihm geholfen hat. Vor Ort war es für uns beide völlig klar, was dafür zu tun ist.
Und - inwieweit können Sie das nachvollziehen?

Lukas: Also es klingt sehr spannend. Und es ist wirklich so, dass Sie keine technischen Anweisungen gegeben haben?

Pyko: Absolut. Der Spieler hat aus seinen eigenen Ressourcen heraus seinen Schwung neu aufbauen können. Und das kostete mich auch noch 2 Euro. Denn zum Abschluss des Golfcoachings steht natürlich ein Anwendungstraining auf dem Programm. In diesem Fall gab es noch eine freiwillige Wette. Konkret ging es darum, 10 Bälle auf ein Ziel zu spielen und da von 10 Bällen 8 im Zielbereich waren, hatte ich zu zahlen.

Lukas: Hört sich auch nach Spaß an. Aber ich zweifle, ob ich mit meinem Handicap 13 das auch so lernen kann.

Pyko: Ihre Bedenken sind mir vertraut. Denn viel zu sehr haben wir verlernt unserem Körper zu vertrauen und meinen stattdessen alles „erdenken“ zu müssen. Außerdem ist es OK, wenn Sie einer Vorgehensweise im Golfteaching zurückhaltend gegenüber stehen, die zwar erfolgreich ist, Sie selbst aber so noch nicht kennengelernt haben.

Lukas: Auf jeden Fall finde ich gut, dass Sie praktisch, wenn auch anders, ebend körperorientierter an Golftrainings herangehen. Wissen Sie, das kann ja schnell ins Gefühlige abdriften.

Pyko: Für mich zählt nur das, was die Teilnehmer meiner Golfcoachings weiterbringt. Und da ich dafür vor allem deren eigene Erfahrungen nutze, können wir nur richtig liegen. Ansonsten ist mir noch wichtig zu sagen, dass es im Golftraining nicht um ein entweder oder geht. Ich halte Erläuterungen zur Schlagtechnik auch für notwendig, nur sollten sie angemessen eingesetzt werden. Auf jeden Fall muß der Entwicklung des Bewegungsgefühls im Golfteaching mehr Raum gegeben werden. Schauen Sie doch bei einem meiner Kurse mal rein, oder lesen INNER GAME GOLF. Das Buch ist ein Stück weit Basis meiner Arbeit.

Lukas: Mache ich gerne und ich bin sicher wir werden uns sehen. Vielen Dank für das Gespräch.

Pyko: Herr Lukas, ich danke Ihnen!

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